Insulin-Antikörper?
In eigener Sache

Vorbemerkung:
Wenn Sie ein Schlauberger sind, der schon alles über Diabetes und Insulin weiss, dann verpissen Sie sich besser von meiner Seite hier, denn hier schreibt ein Troll!

Im Dezember 2015 hat sich mein Insulinbedarf innerhalb weniger Tage mehr als verdreifacht. Bis dahin galt:
Korrektur: 1 I.E. senkt um 7 mg%
Bedarf: 7 I.E. pro BE.

Dramatisch fand ich das Geschehen am 11. und 12. Dez. 2015:

11. 12. 2015 15:24h: 147mg%, zur Korrektur 15 I.E. Analoginsulin gespritzt
11. 12. 2015 18:40h: 142mg% (zwischenzeitlich natürlich nichts gegessen).

12. 12. 2015 15:554h: 160mg%, zur Korrektur 30 I.E. Analoginsulin gespritzt
12. 12. 2015 15:554h: 135mg% (zwischenzeitlich natürlich nichts gegessen)..

Ich war schockiert: Eigentlich hätte der Zucker auf  
160mg% - (30 I.E. *  7mg%/I.E.) absinken
und ich hätte schon tot sein müssen.

Sofort habe ich habe das für mich nun wirkungslos gewordene Analoginsulin abgesetzt und bin zunächst mal auf mein Nachtinsulin (Humaninsulin NPH) umgestiegen. Damit gelang es  mir dann in der Zeit bis zum 16.12.2015 tatsächlich gute Zuckerwerte zu erzielen. Zusätzlich hatte ich meine Kalorienaufnahme halbiert und den Eiweisanteil deutlich erhöht.

Ich vermute eine Antikörper-Reaktion auf das Insulinanaloga, habe mir als Ersatz Humaninsulin "neutral" verschreiben lassen und hoffe sehr, dass die Antikörper-Reaktion dabei ausbleibt.

17. Dez. 2015

Weiteres am 04. Febr. 2016

Bilanz nach 7 Wochen

Die Wirksamkeit des Huminsulin Normal ist ebenfalls auffällig schwach, ich benötige jetzt 12 I.E. pro BE, obwohl ich die Kalorienafnahme von 2000kcal/d auf 1500kcal/d vermindert habe und zudem darauf achte, dass der Anteil der Kohlenhydrate <25% ist. Erfreulich: Ich habe 3kg abgenommen.

Seit ca. 3 Wochen benutze ich den FreeStyle Libre zur Zuckermessung, welches den Zucker viertelstündlich misst und u.a. auch Tagesprofile anzeigen kann. Ich bin von diesem Gerät überzeugt und hoffe, dass es mir von meiner Krankemkasse erstattet wird. Im Vergleich zu meinem plasmageeichten AccuCheck-Mobile zeigt dieses Gerät allerdings im Mittel ~15% weniger an - bei einer Spannweite der Werte von 70% bis105% gegenüber der Anzeige des AccuCheck-Mobile.
Ich habe mir auch die Auswertesoftware zu diesem Gerät heruntergeladen, benutze sie aber nicht mehr, da diese meine Daten in die USA weiterleitet.

Hier zwei Beispiele:
FreeStyle Libre FreeStyle Libre

Doch nun zurück zu meiner vermuteten Antikörperreaktion gegen Insulin.

Anhand der Tagesdiagramme kann man die Insuilinwirkung auf die aufgenommenen BE gut beurteilen. Ich war bisher der Meinung, dass der Blutzucker nach dem Essen zunächst schnell ansteigt um dann durch das gespritzte Insulin auf den Zielwert abzufallen - bei Humalalog nach 2,5Std, bei Huminsulin nach 4Std. Tatsächlich fand ich dies auch manchentags bestätigt, aber nicht immer! Besonders krass ist es heute, am 04. Febr., s, Abbildung: Obwohl ich bereits insgesamt 4,5 BE gegessen habe und keinerlei kurzwirkendes Insulin gespritzt habe, bewegt sich der BZ an der Grenze zur Unterzuckerung. Der Eiweißkonsum betrug in diese Zeit ~700 kcal.

Soweit die Fakten, und nun zu den Erklärungsversuchen:
Schon im Dezember hatte ich gelesen, dass die Antikörper das abgefangene Insulin nach einiger Zeit wieder freigeben, das könnte eine Erklärung sein. An anderer Stelle las ich, dass die Anikörper das Insulin in den Gelenken ablagern und diese damit schädigen. Auch eine mögliche Erklärung. An Vorschlägen für die Überwindung diese Phänomens fand ich zwei: Aussitzen oder auf Schweineinsulin umsteigen. Letzteres hilft vermutlich nur bei Typ1-Diabetes, der ja bereits durch eine Autoimminreaktion verursacht ist.

04. Febr. 2016


Die Lösung
 
Am 09.02.  drohte ständig Unterzucker. Ich musste deshalb 8,2 BE futtern. An diesem Tag hab ich nur die (üblichen)  8 I.E. für 1/2 Hähnchen gespritzt, ansonsten nichts weiter. An Stelle der o.a. 12 I.E. pro BE  ergab sich daraus für diesen Tag ein Bedarf von nur  ~1 I.E. pro BE!

Und Schock am 10.02.: Um den Zucker im Zaum zu halten, habe ich 140 I.E. spritzen müssen und lediglich  5 BE konsumiert. Für diesen Tag betrug der Bedarf also 28 I.E. pro BE! Daraufhin vereinbarte ich sofort einen Termin bei einem Diabetologen, den ich noch von einer Schulung her kannte.

Nach der Diagnose dieses Arztes sind meine Spritzstellen im Oberbauch taub geworden und zudem haben sich dort Insulindepots gebildet, die sich dann irgendwann spontan leeren. Er empfahl mir, oberhalb der Taille in die Seiten zu spritzen, ich sollte dabei aber sehr vorsichtig sein, denn die Insulinwirkung könnte sich drastisch steigern.

Und tatsächlich: Nach einigen Schwankungen hat sich mein Insulinbedarf nun auf ~2 I.E. pro BE eingependelt. Es erscheint mir wie ein Wunder.



In diese Hügel habe ich jahrzehntelang mein Bolusinsulin gespritzt.
Die Insulinepfindlichkeit sank im Laufe der Jahre auf etwa 7,0I.E./BE.

Nun spritze ich das Bolusinsulin seitlich dieser Hügel.
Die Insulinempfindlichkeit ist drastisch auf  ca. 2,5I.E./BE angestiegen!

29. März 2016




Anmerkungen zur Messgenauigkeit des FreeStyle Libre

Da der Sensor im Zwischenzellwasser (ZZW) misst, entspricht der Messwert nach Diffusionsausgleich dem Wert  im Vollblut und nicht dem Wert, den üblicherweise die derzeit zumeist plasmageeichten Blutzuckermessgeräte anzeigen. Der vom FreeStyle Libre gemessene Wert liegt daher ~15% tiefer und der resultierende HbA1c entsprechend 0,5 höher. Dies bestätigen alle meinen Vergleichsmessungen; die FreeStyle Libre-Hotlein behauptet hingegen, dass die Sensoren plasmageeicht seien. 

Anmerkung 14.Nov. 2016:
Nach Angaben eines Mitarbeiters der Abbot-Hotline ist das Gerät bezüglich der "blutigen Messung" mit den zugehörigen Messstreifen jedoch vollblutgeeicht*). Beanstandungen  der Messgenauigkeit des Scanners werden nur anerkannt, wenn mindestens 3 Messpaare dieses Geräts mit beiden Messarten (blutig jeweils etwa 5...10min später)  stark unterschiedlich sind, in meinem Fall:
*) Anläßlich einer Nachfrage bei Abbott wurde dies per Mail korrigiert: Die Messsteifen sind plasmageeicht!

Scanner    Messstreifen
LOW        52
82         122
47         87 (blutig leider erst im Nachhinein gemessen)

sind nach seinen Aussagen durchaus o.k..

Error Grid Analyse
Ich habe die drei o.a. Wertepaare hier in einen Ausschnitt der Graphik Error Grid Analyse eingetragen. Sie liegen alle in der Region B was bedeutet, dass sie zwar mehr als 20% unterschiedlich sind, aber keine fehlerhaften Auswirkungen  auf die Therapie haben. Für mich unglaublich: Dieser Ausschnitt zeigt auch, dass für Blutzuckerwerte im Bereich von 0mg/dl bis ~120mg/dl alle beliebigen Messwertanzeigen zwischen ~70mg/dl und 0mg/dl (bzw. LOW) im Bereich A bzw. B liegen können und daher  o.k. sind!

Fazit: Also wenn Sie einen verdächtigen Wert scannen, zunächst erstmal blutig messen und 5...10min später erneut scannen. Und dann die gleiche Prozedur noch 2mal wiederholen, dabei darauf achten, dass der Sensor tatsächlich auf der Rückseite des Oberarms angebracht ist, Sie nicht auf dieser Seite gelegen und vorher nicht zu wenig getrunken haben. Und ggf.. sollten Sie auch Ihren Arzt konsultieren. Und bitte beachten, dass Messwerte im Bereich niedriger Zuckerwerte gar nicht falsch sein können ;-)

Nachtrag Aug. 2016:

Da dies nur für meine beiden ersten Sensoren zutraf, deren Messwerte im statistischen Mittel um 17% unterhalb der mit dem Accu-Check Mobile gemessenen Werte lagen, ist obige Vermutung (vollblutgeeicht) wohl nicht richtig. Zwischenzeitlich wurde sogar einer meiner Sensoren von Abbott-Vertrieb ersetzt, da er von Anfang an um  ~40% zu geringe Werte anzeigte. Die übrigen auf eigene Kosten gekauften Sensoren zeigten im statistischen Mittel ~5% weniger als das Accu-Check Mobile.

Im Gegensatz dazu lieferte der vorletzte Sensor Werte, die im Mittel um 8% zu hoch waren. Das klingt zwar nicht gerade dramatisch, aber die Abweichungen betrugen anfangs bis zu +39% (zu hoch) gegenüber meinem Accu-Check Mobile, gegen Ende der 14-tägigen Gebrauchszeit  jedoch um bis zu -16% (zu niedrig)! Wenn dieser Sensor anfangs nachts also z.B. 70mg% anzeigte, konnte der Blutzucker bereits bei 70mg%/1,39 =  50mg% liegen, also deutlich im Unterzucker. Ein Wert von 70mg% - wie von mir öfter nachts mit den anderen Sensoren gemessen - war bei denen jedoch durchaus o.k..

Der aktuelle Sensor zeigte am 12.08.2016 erhebliche Kurzzeitabweichungen:
Zeit   Accu   Libre
15:30   101    74
15:37   ...   102
15:45    99    97
Die andererseits in den ersten 2...3 Tagen der Benutzung beobachtete Einlaufphase konnte ich bei keinem meiner Sensoren beobachten.

Wer also seine HbA1c-Werte verbessern will, was auf Grund der zeitlich enger liegenden Messpunkte des Blutzuckers sicher möglich ist, kommt um eine Kalibrierung  und öftere Überprüfung der Messabweichung jedes einzelnen Sensors mit genaueren Messmitteln nicht herum.


Wenn man tatsächlich - wie in Abb.1 des Beipackzettels vorgeschlagen - versucht, den Sensor auf der Rückseitedes Oberarms zu plazieren, kann es passieren, dass er da nicht haftet und im Applikator stecken bleibt. Das liegt vermutlich daran, dass da das Gewebe weicher und gekrümmter ist als seitlich. Bei sämtliche Abbildungen von angebrachten Sensoren sieht man tatsächlich auch, dass diese seitlich plaziert sind und nicht auf der Rückseite des Oberarms!

12.08.2016

Scannst Du den Zucker in der Nacht, bist Du schnell um den Schlaf gebracht:

FreeStyle Libre


Wie weiter oben erläutert, können die gescannten Werte auch mal die ganze Nacht LOW (d.h. <40mg/dl) sein, die Chancen von Abbott den Sensor ersetzt zu erhalten, sind gering, denn möglicherweise liegt der tatsächliche Blutzucker ja durchaus noch im Zielbereich ;-)




11. Jan. 2017
Fake-News von Abbott:
Lieber Kunde, FreeStyle Libre reduziert nachweislich Hypos, selbst in der Nacht
Tja, wer hätte das gedacht, dass man mit einem Messgerät Hypos reduzieren kann!
Das funktioniert postfaktisch*) so, dass das Gerät bereits Unterzucker signalisiert, obwohl der Zuckerwert noch normal ist. und man deshalb - quasi vorbeugend - Kohlenhydrate konsumieren muss.

Beispiel:
Im Mittel zeigten meine Sensoren bisher 75% des blutigen Messwertes. Das bedeutet, dass bei einem nächtlichen Wert von 60mg/dl der tatsächliche Blutzucker bei 80mg/ml liegt und damit keine Unterzuckerung droht.

*) Dieses Adjektiv beschreibt Umstände, in denen objektive Tatsachen einen geringeren Einfluss auf die Wahrnehmung haben, als Apelle an Emotionen.